Das Team von Wissenschaftlern der Westsächsischen Hochschule Zwickau (WHZ), des Fraunhofer IWU und der Uniklinik Leipzig hat erste Ergebnisse für die Entwicklung eines Systems zur routinemäßigen Versorgung querschnittgelähmter Patienten vorliegen.
In den letzten Monaten wurden sowohl an der WHZ und der Uniklinik Leipzig Muskelaktivitäts- (EMG) und Hirnaktivitätsmessungen (EEG) aufgenommen. Gemessen wurden die Muskelaktivitäten der Probanden bei verschiedenen Übungen - z.B. beim Heben und Senken eines Beines oder Armes sowie beim Aufstehen und Hinsetzen. Die dabei entstandenen Messwerte werden für die Einschätzung der Muskelaktivität bei bestimmten Bewegungen herangezogen. Später sollen die Muskeln mit einem Signal von außen stimuliert werden, welches dem natürlichen Signal ähnelt. Zudem wurden mittels EEG die Veränderungen der Hirnaktivität bei der Vorstellung einer Bewegung – z.B. dem Heben und Senken eines Beines oder Armes - untersucht.
Die Forscher ermittelten dabei, dass die Vorstellung einer Bewegung im µ-Band des Elektroenzephalogramms deutlich zu erkennen ist. Das heißt, es wurde eine messbare Veränderung der Hirnaktivität in einem bestimmten Frequenzbereich festgestellt. Dieser Frequenzanteil soll zukünftig genutzt werden, um die Stimulation zu steuern. Aus den Messungen der Muskelaktivitäten wurde der zeitliche Verlauf der Muskelpotentiale ermittelt. Dieser wurde anschließend technisch nachgebildet und wird zukünftig für die Stimulation verwendet. Im April werden Messungen an weiteren Probanden durchgeführt, um die Ergebnisse auf mögliche individuelle Unterschiede und allgemeine Reproduzierbarkeit zu prüfen.
Öffentlich präsentiert werden diese neuen Erkenntnisse im Rahmen des Internationalen Tages der Behinderten in Zgorzelcu (Polen) am 24. und 25. März. Dabei handelt es sich um eine wissenschaftliche Fachtagung, die gemeinsam von wissenschaftlichen Einrichtungen und der öffentlichen Hand organisiert wurde. Die Leitsprüche der Konferenz sind „Leben ohne Schmerzen“ und „Gesunde Kinder – gesundes Europa“. Insgesamt nehmen 13 Nationen daran teil, es finden ca. 150 Fachvorträge statt und es werden ca. 100 Poster ausgestellt.
EEG = Elektroenzephalografie
µ = Mikro