Lehrverfassung
Präambel
Die Lehrverfassung wurde von Lehrenden und Studierenden der Westsächsischen Hochschule Zwickau gemeinsam erarbeitet. Die festgehaltenen Ansprüche spiegeln das akademische Selbstverständnis sowie den Kern und den Zweck der Hochschule für angewandte Wissenschaften als gesellschaftliche Institution wider. Die Lehrverfassung macht sichtbar, dass sich die Lehrenden der WHZ einer qualitativ hochwertigen und verantwortungsvollen Lehre verpflichtet fühlen. Es war der Anspruch, dass die Lehrverfassung als Maxime von einer deutlichen Mehrheit der Lehrenden akzeptiert wird. In der Erarbeitung wurde daher ein partizipativer Ansatz gewählt. In den fünf Aspekten der Lehrverfassung werden die Einflussbereiche von Lehrenden und Studierenden beschrieben. Die Bedeutung von organisatorischen und strukturellen sowie wirtschaftlichen und sozialen Rahmenbedingungen für den Studienerfolg soll von den Aspekten unberührt, aber nicht unabhängig bleiben.
Die vorliegende Lehrverfassung ist eine Leitidee für die Lehre: eine normative Beschreibung der Verfasstheit von Lehre an der Westsächsischen Hochschule Zwickau. Beides, die Lehre und die Lehrverfassung, sollen in der Diskussion mit den Angehörigen der Hochschule weiterentwickelt, ausdifferenziert und ergänzt werden.
Bildungsziele
Zentrale Bildungsziele der WHZ umfassen die Entwicklung souveräner und verantwortungsbewusster Persönlichkeiten, die in der Lage sind, nachhaltige Beiträge zur gesellschaftlichen Entwicklung zu leisten. Die WHZ verfolgt dabei explizit das Ziel, Studierende auf den Arbeitsmarkt vorzubereiten, indem sie berufs- und lebensweltrelevante Kompetenzen fördert. Hierbei wird besonderer Wert auf Problemlösekompetenz gelegt, sodass Absolventinnen und Absolventen komplexe Aufgaben eigenständig und verantwortungsvoll bewältigen können. Dies beinhaltet die Förderung des interdisziplinären Denkens und Arbeitens, der Selbst- und Sozialkompetenzen, der digitalen bzw. KI-Kompetenzen sowie die Vermittlung einer wissenschaftlichen bzw. akademisch reflektierten Arbeitsweise. Die Studierenden werden befähigt, kritisch und faktenbasiert Meinungen zu bilden und auszudrücken sowie reflektiert zu handeln. Dabei ist ein solides Grundlagenwissen von entscheidender Bedeutung, dass eine langfristige Orientierung, kontinuierliches Lernen und schnelle Einarbeitung in neue Themenfelder ermöglicht.
Zum Erreichen dieser Bildungsziele tragen sowohl ein förderliches Lehr- und Lernumfeld als auch die inklusive Kultur der WHZ bei, die auf persönliche Kommunikation zwischen Lehrenden und Studierenden sowie auf individuelle Unterstützung setzt. Die WHZ ist für Studierende und Lehrende ein geschützter Raum für freien Diskurs auf humanistischen Grundlagen sowie ein Katalysator für Wandel und akademisch begründetes Umdenken.
Aspekt Lehre
In den Lehrveranstaltungen werden Inhalte auf einem hohen fachlichen Niveau angeboten. Die Lehrinhalte basieren auf einem aktuellen Erkenntnisstand, dienen der Vorbereitung auf die Arbeitswelt und werden in zugänglicher Form (gut strukturiert und verständlich erklärt) aufbereitet. Die Lehrinhalte werden so vermittelt, dass die Aufmerksamkeit der Studierenden und das Interesse an den Inhalten gefördert werden. In den Lehrveranstaltungen arbeiten Studierende und Lehrende gemeinschaftlich an akademischen Gegenständen. Dabei wird anerkannt, dass es keine alleinige, optimale Lehrform gibt, sondern dass unterschiedliche didaktische Ansätze in Abhängigkeit von den jeweiligen Lernzielen sinnvoll sind. Die Anforderungen der kompetenzorientierten Leistungsnachweise werden transparent dargestellt.
Aspekt Studieren
Die Studierenden tragen durch ihre aktive Teilnahme, ihre Eigeninitiative und ihre konstruktive Mitwirkung wesentlich zur Qualität der Lehre bei. Die Lehrenden fördern die Selbstständigkeit und Eigenverantwortung, die Selbstreflexion und Kreativität der Studierenden. Das logisch-abstrakte Denken, das wissenschaftliche Arbeiten sowie die Entwicklung und Darstellung der eigenen akademischen Meinung sind Ziele des Studiums. In den Lehrveranstaltungen lösen Studierende Übungsaufgaben, entwickeln Lösungsansätze und sind in Projekten beteiligt. Lehrende erleichtern es den Studierenden, motiviert an den Lehrveranstaltungen teilzunehmen und in der Auseinandersetzung mit Lehrinhalten Eifer und Begeisterung zu entwickeln.
Aspekt digital gestützte Lehre
Eine digital gestützte Lehre dient der Verbesserung der Lehrqualität, der Förderung des aktiven Studierens und des studentischen Engagements sowie der Bewältigung organisatorischer Herausforderungen. Digitale Lehr-Lern-Angebote unterstützen das Präsenzstudium, die persönliche Kommunikation und das Selbststudium. Studienaktivitäten werden an den digitalen Aspekten der Lebens- und Arbeitswelten sowie an den dafür notwendigen Kompetenzen orientiert. Zu diesen Kompetenzen gehört auch der kritische, reflektierte und verantwortungsbewusste Einsatz von KI-gestützten Werkzeugen. Es werden digitale kompetenzorientierte Leistungsnachweise angeboten, die didaktisch und organisatorisch begründet sind.
Aspekt Lehrende
Lehrende engagieren sich für ihre Lehre und zeigen Begeisterung für ihre Lehrinhalte. Sie betreuen studentische Projekte, beraten Studierende und sind außerhalb der Lehrveranstaltung für studentische Belange ansprechbar. Lehrende äußern sich wertschätzend gegenüber studentischen Leistungen und begegnen Studierenden auf Augenhöhe; sie gehen respektvoll mit ihnen um, nehmen Kritik ernst und erklären ihre Entscheidungen transparent. Sie zeigen Interesse an den Belangen der Studierenden und versuchen, die Situation, die Merkmale und die Kritik der Studierenden bei der Gestaltung der Lehre zu berücksichtigen.
Aspekt Curriculum
Die Inhalte des Curriculums sind an den benötigten Kompetenzen in den späteren Berufsfeldern der Studierenden orientiert. Das Curriculum ist an kompetenzorientierten Lernzielen ausgerichtet und verbindet fachliche Inhalte mit praxisnahen Lernaktivitäten. Im Verlauf des Studiums werden Studierende mit angemessenen Leistungshürden konfrontiert. Grundlegende Inhalte zu Beginn des Studiums ermöglichen Vertiefung, Anwendung und Forschung im Studienverlauf. Die Studierenden können außerhalb der Hochschule oder im internationalen Kontext Studienerfahrungen sammeln.